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Sieversdorf feiert 100 Jahre Strom

Elektroenergie, den „elektrischen Strom“ immer und überall verfügbar zu haben ist für uns selbstverständlich und nicht mehr wegzudenken. Neben einer Vielzahl von elektrischen Geräten, die wir heute im privaten, öffentlichen oder gewerblichen Leben nutzen, geht es immer auch noch, wie seinerzeit zu den Anfängen, um die Erzeugung von elektrischem Licht.

In Sieversdorf ist es dieser Tage 100 Jahre her, dass der elektrische Strom eingeführt wurde. Sichtbares Zeichen war seinerzeit die elektrische Straßenbeleuchtung. Zum Ende des 19. Jahrhunderts nahm die Entwicklung der elektrischen Energietechnik wahrnehmbare Züge für eine Nutzung an. Dabei stand allein die Erzeugung von Licht mittels elektrischen Strom im Vordergrund. Der notwendige Strom wurde zunächst dezentral erzeugt und mancherorts schon über kleine Inselnetze verteilt. Insgesamt aber waren elektrifizierte Haushalte um 1900 noch seltene Erscheinungen. Das lag zum einen daran, dass der elektrische Strom eine teure Angelegenheit war, und zum anderen, dass es noch keine effektiven Glühlampen gab. Neben brauchbaren Glühlampen war auch ein sich ausbreitendes Stromnetz Voraussetzung, um die Nutzung von Elektroenergie zu begünstigen. So dürfte Sieversdorf wohl mit zu den Ersten gehört haben, als am 1. November 1917 eine elektrische Straßenbeleuchtung in Betrieb genommen wurde. Verbreitet und üblich war, besonders in den größeren Städten, das Gaslicht. So gab es zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Berlin schon eine Straßenbeleuchtung. In Sieversdorf war es ähnlich. Es gab ab 1900 zunächst eine Straßenbeleuchtung mit Gas. Während in den Städten, so auch in Neustadt, Gaswerke aus Kohle, Stadtgas für die Laternen erzeugten, setzte Sieversdorf auf eine Beleuchtung mit Ethin, bekannt als Karbidgas. Das bei der Reaktion von Wasser und Kalziumkarbid entstehende Ethin erzeugte unter geeigneten Bedingungen eine sehr helle und annähernd rußfreie Flamme. Mindestens fünf Laternen lassen sich für die Sieversdorfer Dorfstraße vom Mühlengraben bis zur Hausnummer 15 nachweisen. Der Standort der kleinen Gasfabrik, die das Gas für die Beleuchtung lieferte ist aber nicht bekannt. Mit Einführung des elektrischen Stroms musste entlang der Dorfstraße ein Stromleitungsnetz an entsprechend hohen Masten aufgebaut werden. Die elektrischen Lampen, die um etliches höher angebracht werden konnten als die bisherigen Gaslampen, leuchteten den Straßenzug links und rechts für damalige Verhältnisse recht ordentlich aus. Von den Masten erfolgte dann auch über eine Freileitung der Anschluss der Wohnhäuser an das Stromnetz. Im Zuge der Einführung der neuen Straßenbeleuchtung wurden die Lindenbäume an der Dorfstraße neu gesetzt. Um die Freileitungen von dem emporstrebenden Astwerk freizuhalten mussten sie regelmäßig gestutzt werden. Das erfolgt selbst heute noch, obwohl Masten und Freileitungen längst verschwunden sind.

Insgesamt ist wenig überliefert zur Elektrifizierung in Sieversdorf. Auf einer Gemeindevertretersitzung im Jahre 1926 schlug man vor, den technischen Fortschritt nutzend, einen „Selbstschalter“ zu installieren, der die Straßenbeleuchtung in der Abenddämmerung automatisch an- und morgens wieder ausschaltete. Die Stellung von Konzessionen für ortsfremde Installateure innerhalb der Häuser wurde hingegen abgelehnt. Damit erfolgte die Stärkung des ortsansässigen Elektromeisterbetriebes Paul Zöller, der eine schnelle Erreichbarkeit bei Störungen absichern konnte. Alles in allem war die Elektrifizierung aber erst 1962 abgeschlossen, als die abgelegenen Grundstücke an der Dosse zwischen Sieversdorf und Friedrichsbruch endlich auch einen Anschluss an das elektrische Stromnetz erhielten.