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Gemeinde Zernitz-Lohm

Schloss Lohm

Einwohnerzahl: 873 (Stand: 31.12.2015)

Fläche: 36.967.475 m²

Bürgermeisterin:  Sigrid Schumacher Lohmer Dorfstraße 17a, 16845 Zernitz-Lohm GT Lohm

 

Tel.: 033973/50513 oder Mobil 0176 61490616

Gesprächstermine nach telefonischer Vereinbarung

 

Zernitz
Zernitz gehört zu den ältesten Dörfern der Prignitz. Urkundlich erwähnt wurde der Ort erstmals als ,,Cernitz' im Jahre 1324. Der Name ist wendischen Ursprungs und geht Auf ,,Cern' = ,,der Schwarze' zurück. Das Dorf gehörte lange der Familie von Rohr, die in der Prignitz und im Ruppinschen viele Besitzungen hatte. Die Familie von Rohr besaß über viele Jahrhunderte hinweg das Patronat über die Ortskirche von Zernitz und jene im benachbarten Holzhausen. Bei der Kirche handelt es sich um eine Frühgotische Feldsteinkirche mit Backsteinkanten und einen Turm in der Breite des Kirchenschiffes. Zernitz liegt an der Eisenbahnstrecke Berlin-Hamburg und erhielt bei der Eröffnung der Strecke im Jahre 1846 einen der bedeutendsten Bahnhöfe der Prignitz. Er ist im neoklassizistischen Stil erbaut und wurde 1990/91 sehr aufwendig restauriert. Ab 1846 entstand der Ortsteil Zernitz-Bahnhof, in dem sich besonders Händler und Geschäftsleute niederließen. Im Februar 1945 hielt in der Nähe des Bahnhofes ein Zug mit jüdischen KZ- Häftlingen, der versehentlich von amerikanischen Tieffliegern angegriffen wurde. Dabei verloren 48 Männer, Frauen und Kinder ihr Leben, die in einem Gemeinschaftsgrab ihre letzte Ruhe fanden.

Lohm
Lohm ist ein altes Sackgassendorf, auch Angerdorf genannt. Es wurde 1336 als ,,tu Deme Luome' erstmals erwähnt. Der Name ist, wie viele andere in der Region, slawischer Herkunft und soll danach ,,Iom'= Wind oder Windbruch bedeuten. Demnach wurde Lohm des Öfteren von Zerstörungen durch Wind und Wasser Heimgesucht. Untrennbar ist die Geschichte des Dorfes mit der Adelsfamilie von Kröcher verbunden, einem der ältesten und angesehensten der märkischen Adelsgeschlechter. Vom 14. bis Ende des 19. Jahrhunderts hat die Familie dem Dorf ihren Stempel Aufgedrückt. Davon zeugen die noch gut erhaltenen Barockschlösser Lohm I und Lohm II. Beide Schlösser ziert das Kröchersche Wappen, in dessen Mitte ein Kamel Prangt. Der Sage nach ist das Kamel eine Reminiszenz an zwei Ritter der Familie von Kröcher, die während der mittelalterlichen Kreuzzüge eine Christin aus denn Händen der ,,Ungläubigen' befreiten und sie hernach auf einen Kamel in Sicherheit brachten. Die Fachwerkkirche wurde 1828 erbaut und danach mehrmals restauriert. Das Ensemble des Kirchenplatzes wird durch einige gut erhaltene Fachwerkhäuser vervollständigt.

Gemeindeteile von Zernitz sind die Ortschaften Goldbeck, Koppenbrück und Neuendorf, zu Lohm gehört der Gemeindeteil Krüllenkempe, eine Streusiedlung.

Goldbeck
Das Dorf gehörte früher zum Kreis Ruppin und dort seit 1950 zum Gemeindebezirk Koppenbrück. Gegründet wurde der Ort 1774 auf der Stadtfeldmark von Neustadt (Dosse). 10 holländisches Kolonisten siedelten hier mit je 50 Morgen Land. Von der Gründung an bis 1950 war Goldbeck eine eigenständige Gemeinde. Der Name des Ortes rührt von der Bezeichnung ,,Goldbach' her.

Neuendorf
Im Mittelalter existierte bereits eine Siedlung zwischen der heutigen Ortschaft und dem Burgwall westlich des Dorfes, die bis heute als ,,alte Dorfstelle' bezeichnet wird. Es ist nicht bekannt, warum die Bewohner ihre Dorfstelle verließen, aber bis heute lassen sich dort noch Artefakte und Scherben finden. Neuendorf wurde im 14. Jahrhundert gegründet und hieß zuerst ,,Nuendorf', etwas später ,,Niendörff'. Es war von jeher eine Gutssiedlung und wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts zu einem Rittersitz der Familie von Rohr ausgebaut, bis es etwa Mitte des 17. Jahrhunderts an Die Familie Winterfeld fiel. Genau wie die Eigentümer von Voigtsbrügge und Joachimshof waren die Herren von Winterfeld zu Neuendorf automatisch Mitglied des Preußischen Landtages. Sie besaßen ein so genanntes landtagsfähiges Rittergut. Die heutige Bebauung des Ortes entstand größtenteils nach der Bodenreform 1945, bereits 1928 wurde Neuendorf nach Zernitz eingemeindet.

Lohmer Dorfstr. 17 a
16845 Zernitz-Lohm OT Lohm


Aktuelle Meldungen

Ein starkes Duo für die Feuerwehr

(19.08.2016)

So viel Glück hat eine Dorffeuerwehr nicht alle Tage. Den Zernitzern fiel 2008 ein aktiver, gut ausgebildeter Feuerwehrmann buchstäblich in den Schoß. Der ist jetzt Wehrführer der Feuerwehr Zernitz-Lohm – und wurde kürzlich ausgezeichnet.

Foto zu Meldung: Ein starkes Duo für die Feuerwehr

Feuerwehrstandort soll Dorfzentrum werden

(19.08.2016)

Zernitz-Lohm

Bürgermeisterin Sigrid Schumacher und die Gemeindevertreter haben viele Pläne für Zernitz-Lohm. Im MAZ-Interview spricht Sigrid Schumacher über wichtige Vorhaben, darunter die Erweiterung des Feuerwehrstandortes in Zernitz-Dorf zum Dorfzentrum und Sanierungsarbeiten in der Kita Zernitz.

 

Lohm. Seit zwei Jahren ist Sigrid Schumacher die ehrenamtliche Bürgermeisterin von Zernitz-Lohm, die 1997 aus dem Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinden Zernitz und Lohm entstand. Zur Gemeinde Zernitz-Lohm gehören außerdem die Gemeindeteile Neuendorf, Goldbeck und Koppenbrück. In der Kommunalpolitik ist die 59-Jährige keine Unbekannte. Von 1993 bis 2014 war die Lohmerin im Kyritzer Rathaus die Leiterin des Schul- und Ordnungsamtes. Seit 2014 ist sie Mitglied der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag des Landkreis Ostprignitz-Ruppin.

 

MAZ: Warum sind Sie Bürgermeisterin geworden?

 

Sigrid Schumacher: 
Zur Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 fand sich kein Bewerber für das Amt. Deshalb musste die Gemeindevertretung entsprechend dem Brandenburgischen Kommunalwahlgesetz am 24. Juni 2014 aus ihrer Mitte einen ehrenamtlichen Bürgermeister für eine Amtszeit von fünf Jahren wählen. Nach Überzeugungsarbeit nahm ich die Wahl an.

 

Welche Vorhaben sollen in den einzelnen Gemeindeteilen demnächst in Angriff genommen werden?

 

Schumacher: Priorität hat die Erweiterung des Feuerwehrstandortes in Zernitz Dorf zu einem Dorfzentrum. Das Konzept wurde am 24. Mai in der Gemeindevertretung besprochen.

 

Die Planungsunterlagen sind erarbeitet. Nun hofft die Gemeinde auf Fördermittel, um die Maßnahme realisieren zu können. Des Weiteren ist die Reparatur des Daches der Kegelbahn in Zernitz eingeplant. Im Kindergarten in Zernitz stehen Sanierungsarbeiten an. Schwerpunkt ist für mich auch, das noch vorhandene sanierungsbedürftige Gutshaus in Neuendorf einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Für das Gebäude muss ein Käufer gefunden werden. Was uns zurzeit auch sehr beschäftigt, ist die durch Biberschäden sanierungsbedürftige Straße von Goldbeck in Richtung Sieversdorf. In Lohm müssen in den nächsten Jahren Wirtschaftswege saniert werden.

 

Wo setzt die Bürgermeisterin Prioritäten?

 

Schumacher: Unsere Kita ist für die Entwicklung der Gemeinde wichtig und steht auf meiner Prioritätenliste an erster Stelle. Schon der englische Premier Winston Churchill hat gesagt: Eine Gemeinde kann ihr Geld nicht besser anlegen, als dass sie es in Kinder steckt.

 

Ein ausgeglichener Haushalt steht ebenfalls auf meiner Prioritätenliste. Nur so können wir solche Maßnahmen wie das Dorfzentrum Zernitz realisieren und uns auch langfristig leisten.

 

Welche Rolle spielen die Vereine im Dorf?

 

Schumacher: Vereine bündeln Einzelinteressen und fungieren als wichtige Partner und Unterstützer der Gemeindevertretung. Wir haben eine Vielzahl von Vereinen und Gruppen, die viele Veranstaltungen organisieren.

 

Um welche Vereine handelt es sich?

 

Schumacher: Der Zernitzer Sportverein mit den Abteilungen Fußball, Tischtennis, Kegeln spielt eine große Rolle. Dazu kommen der Angelverein mit 94 Mitgliedern und die Gruppe der Volkssolidarität. Nicht vergessen werden soll der „Dorfkulturverein“ in Lohm, der zwar kein eingetragener Verein ist, dessen Mitglieder aber mit viel ehrenamtlichen Engagement seit mehr als 20 Jahren das kulturelle Leben im Dorf organisieren. Dazu gehören Dorffeste, Lesungen, Osterfeuer, Arbeitseinsätze und mehr. Und natürlich spielt die Feuerwehr eine große Rolle im Dorf.

 

Wie ist der Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft?

 

Schumacher: Der Zusammenhalt in den einzelnen Gemeindeteilen ist sehr gut. Wichtig ist für mich, dass die einzelnen Gemeindeteile zu einer großen Gemeinschaft zusammen wachsen. Deshalb sollte man sich noch mehr zu gemeinsamen Veranstaltungen treffen. Bei der Feuerwehr ist das schon super der Fall.

 

Von Renate Zunke

Foto zu Meldung: Feuerwehrstandort soll Dorfzentrum werden

Biber schlägt an einer Straße 100-mal zu

(29.07.2016)

In Neustadt (Dosse) musste eine Straße wegen Biberschäden gesperrt werden. Die Gemeinde fühlt sich machtlos im Kampf gegen Biber und Behörden. Das Land will für die Schäden nicht aufkommen. Inzwischen zweifelt sogar die grüne Ortsbürgermeisterin am Artenschutz.


Hier leistete der Biber ganze Arbeit: Die Straße zwischen Goldbeck und Sieversdorf musste nach 100 Biberattacken gesperrt werden. Sie droht an manchen Stellen einzustürzen.
Quelle: Alexander Beckmann

 

Neustadt/Dosse. Die Straße zwischen Goldbeck und Sieversdorf (Ostprignitz-Ruppin) gleicht einem Schweizer Käse. Auf einem Abschnitt von etwa 900 Metern haben Biber rund 100 mal zugeschlagen, Gräben und Höhlen gebaut, so dass die vor allem von Landwirten genutzte Straße teilweise abgesackt ist. „Wir mussten den Weg sperren, weil wir die Sicherheit nicht mehr gewährleisten konnten“, erklärt Sigrid Schumacher, ehrenamtliche Bürgermeisterin des Ortsteils Zernitz-Lohm. „Ich bin einfach nur sauer. Wir haben Anträge gestellt, Gutachten erstellt, beim Land um Hilfe gebeten – vergebens.“


Anwohner, Gemeindevertreter, Bauern – sie sind genervt und fühlen sich machtlos. Denn der Kampf gegen den Biber, der sich im Wassergraben neben der Straße eingenistet hat, geht schon seit Jahren. Inzwischen hat Schumacher Zweifel daran, ob der Schutz des Tieres nicht etwas übertrieben ist. Das ist bemerkenswert, denn Schumacher ist Mitglied der Grünen. „Ich will die Biber ja nicht gleich ausrotten“, sagt die Lokalpolitikerin. „Aber wenn es zu viele Wildschweine gibt, schießt man sie doch auch ab.“


Naturschutzbehörde empfiehlt Kapitulation vor dem Biber
Aber die Biberjagd ist nur in Ausnahmefällen möglich. Entsprechend lehnte die Untere Naturschutzbehörde den Antrag auf Abschuss ab. Erst müssten „Vergrämungsmaßnahmen“ geprüft werden, teilte sie mit. Doch beim Stichwort Vergrämung winkt der zuständige Bauamtsleiter vom Amt Neustadt, Wolfgang Burau, ab. „Das interessiert den Biber nicht. Der kehrt wieder.“

 

Bürgermeisterin Sigrid Schumacher (Grüne) verzweifelt am Biber.


Quelle: Björn Wagner
Das weiß man auch bei der Naturschutzbehörde, deren Schreiben an die Gemeinde sich eher wie eine Kapitulationsempfehlung liest. „Weder das Fangen noch Umsetzen von Bibern noch der Abschuss“ könne einen Beitrag zur Lösung des Problems beitragen, schreibt die Behörde. Deswegen solle der Biber bleiben dürfen, und stattdessen die Böschung der gesperrten Straße durch Gitter gegen weitere Angriffe geschützt werden. Immerhin: Hierfür gäbe es eine Kofinanzierung vom Land, wenn der zuständige Topf nicht schon leer wäre.


Auf den Straßenneubaukosten in Höhe von mehr als 200 000 Euro bliebe die Gemeinde komplett sitzen. Bürgermeisterin Schumacher findet das ungerecht. „Warum gilt hier nicht das Verursacherprinzip?“, fragt sie. „Wenn das Land den Biber schützen will, muss es auch für die Schäden aufkommen.“
Amtsmitarbeiter müssen täglich an die frische Luft – wegen der Biber


„Der Biber gehört ja keinem, er ist ein Wildtier“, kontert Jens-Uwe Schade, Sprecher des Umweltministeriums. Zahlen müsse der Baulastträger – in dem Fall die Gemeinde. Er räumt ein, dass die Biberverordnung nur einen engen Handlungsspielraum lasse. Doch Brandenburg setze damit geltendes Natur- und Artenschutzrecht um.


Immerhin: Durch die Biber kommen die Amtsmitarbeiter von Neustadt häufiger an die frische Luft: Täglich muss ein Kollege kontrollieren, ob die Tiere wieder zugeschlagen haben.
Von Torsten Gellner

 

 

 

Foto zu Meldung: Biber schlägt an einer Straße 100-mal zu

Ein Schloss zum Anfassen

(15.07.2016)

Schloss Lohm hat eine wechselvolle Geschichte. Grafen und Domherren lebten dort, zur NS-Zeit trafen sich da Nazigrößen. Zu DDR-Zeiten in LPG-Besitz, befindet es sich jetzt wieder in Privathand. Und doch ist es ein Schloss zum Anfassen, denn die neuen Schlossherren teilen die Pracht gern mit
Hilmar Bergmann und seine Frau Sandra - historisch gewandet
Quelle: Renate Zunke

 

Lohm. Mit zwei barocken Herrenhäusern kann das kleine Lohm aufwarten. Das größere, am südöstlichen Ortseingang gelegene, Lohm II genannt, hat eine sehr wechselvolle Geschichte.
Caspar Joachim von Kröcher erbaute das barocke Gebäude 1740 mit einem großen Garten im französischen Stil. Er war durch die Erträge seines Gutes und durch Pfründe seiner Domherrschaft zu Havelberg sehr wohlhabend. Sein Sohn Hans Ernst Wilhelm, ebenfalls Domherr zu Havelberg, mehrte in seinem kurzen Leben den Besitz durch gute Bewirtschaftung der Ländereien. Nach seinem Tod erhielt bei einer Auslosung unter seinen beiden Söhnen der Rittmeister Hans Joachim Adolph im Jahr 1806 den gut ausgestatteten Gutsbesitz. Als Major nahm er seinen Abschied und war von 1817 bis 1850 der erste Landrat der Ostprignitz. Sein Enkel Adolf Hans Wilhelm war der vorletzte Kröchersche Besitzer von Herrenhauses und Gut.


Der Besitzer wanderte nach Amerika aus
Nach seinem Tod verkaufte dessen Sohn Hans Adolph Bernhard Gut Lohm II mit einer Größe von 953 Hektar im Jahr 1924 an die Deutsche Kultur- und Siedlungsgesellschaft in Berlin. Er selbst wanderte nach Amerika aus. Im Grundbuch sicherte er seiner Mutter Asta von Kröcher und seiner verwitweten Schwester Marie Luise Asta im Jahr 1922 die Wohnrechte im Schloss. Beide Frauen erlebten ihre letzten Jahre in einem der Kavaliershäuser des Herrensitzes. Sie litten 1945 sehr unter den Folgen der Plünderungen und der Einquartierung von Flüchtlingen und verstarben in diesem Jahr.

 

Der wieder hergerichtete Spiegelsaal des Schlosses kann auch für Privatfeiern gemietet werden.


Quelle: Renate Zunke
Die Siedlungsgesellschaft verkaufte 1926 Teile des Gutes an den Kreis Ostprignitz. Bis dahin hatte die Gesellschaft schon mit der Besiedlung des Gutes begonnen und eine große Anzahl von Kauf- und Rentenverträgen abgeschlossen. Unter den Käufern befanden sich Graf Wilhelm von Wedel und seine Ehefrau Ida. Sie gelangten damit in den Besitz des Restgutes Lohm II mit 175 Hektar Land und dem Schloss.


Wedel genoss in nationalsozialistischen Kreisen großes Ansehen. Er wurde SA-Oberführer, später SS-Brigadeführer, 1934 Landrat der Ostprignitz und 1935 Polizeipräsident von Potsdam. Während seiner wenigen Jahre in Lohm war das Schloss Treffpunkt vieler Nazi-Größen. Auch Adolf Hitler gehörte zu den Gästen. Nach 1945 musste es die Lohmer Bevölkerung mit besonders drastischen Drangsalierungen durch die sowjetischen Truppen büßen. Nach Wedels Tod im Jahr 1939 verkaufte seine Witwe das Gut an den Berliner Bauunternehmer Friedrich Kotzbau. Er wurde 1945 enteignet.


1945 wurde die barocke Anlage Gemeindeeigentum
Die barocke Anlage wurde Gemeindeeigentum. Die drei Gebäude, Schloss und Kavaliershäuser, wurden von 1945 bis 1968 als Wohnungen, Verwaltungsbüros der LPG, als Gemeindeschwesternstation und Telefonzentrale der Post genutzt. Dann wurde das Gebäude zur Zentralschule umgebaut. Die wenigen kunsthistorischen Zeugnisse, die noch erhalten waren, wurden im Auftrag des Denkmalschutzes ausgebaut. So ist zum Beispiel eine Leinwandtapete mit Rokoko-Malereien in Schloss Friedrichsfelde in Berlin zu finden. Bis zum Jahr 2002 wurde im Schloss noch unterrichtet, dann wurde die Schule geschlossen.
Nach einigen Jahren Leerstand erfüllte sich der Berliner Unternehmer Hilmar Bergmann mit dem Erwerb von Lohm II seinen Traum, in einem Schloss zu wohnen. Seine damalige Frau hatte das Verkaufsangebot gefunden und sich in das historische Gebäude verliebt. Für den Ehemann war es nicht unbedingt Liebe auf den ersten Blick. „Ich wäre lieber in die Uckermark gezogen“, sagt Hilmar Bergmann, Chef einer Firma, die sich mit dem Korrosionsschutz von Wasserfahrzeugen befasst. Er und seine jetzige Frau Sandra, die aus dem Weserbergland stammt, loben das sehr gute Verhältnis zu den Dorfbewohnern. „Dass wir hier so gut aufgenommen wurden, das ist das Tolle“, sagt der 56-jährige Bergmann, seit sieben Jahren in Lohm ansässig.


Gutes Verhältnis zwischen Lohmern und Schlossherren
Unterhaltung und notwendige Sanierungsarbeiten von Schloss und Park kosten natürlich Geld. So hat Hilmar Bergmann zum Beispiel die 1970 ausgebaute Wandbespannung nach Originalvorlagen neu anfertigen lassen. An die geänderten Größenverhältnisse der Räumlichkeiten angepasst, kann man sie jetzt wieder im Schloss bewundern.


Bergmanns stellen ihre barocke Heimstatt gern interessierten Veranstaltern zur Verfügung – für Tagungen, Seminare, Ausstellungen, Lesungen, Konzerte, Tanzveranstaltungen und Feste aller Art. Das historische Ambiente wird auch für Familienfeiern genutzt. Immerhin befindet sich im Schloss Lohm eine Außenstelle des Standesamtes Neustadt. Die von weiter her angereisten Gäste können übernachten, denn ein Pensionsbetrieb ist ein weiteres Geschäftsfeld der Schlossbewohner. Die Kavaliershäuser werden vermietet. Eines von ihnen wurde gerade freigezogen.


Historisches Biwak am 17. und 18. September
Vom 17. Bis 18. September wird zum zweiten Mal das Historische Biwak am Schloss aufgebaut. Veranstalter ist die „Historische Gesellschaft zu Kyritz e. V. Hier ist Hilmar Bergmann Vereinsmitglied und Schatzmeister. Schon beim ersten Mal war das Biwak für die Dorfbewohner ein Spektakel. In diesem Jahr wird unter anderem im Park eine Feldschmiede aufgebaut, es wird eine historische Modenschau geben und natürlich Kanonendonnern. Die Gäste können Getränke und Essbares kaufen.


Außerdem startet am 26. Und 27. August das Lohmer Dorffest im Park. Der ist noch eine große grüne Wiese. Doch Sandra Bergmann, die mit unermüdlicher Kreativität und Gespür für das Historische eigenhändig die Innenräume des Schlosses gestaltet, will den Park verändern. Entstehen sollen zum Beispiel ein großes Buchsbaumrondell, ein Laubengang und vieles mehr. Ein barocker Garten ziert bereits die Vorderseite des Schlosses. Und im Kopf hat Sandra Bergmann schon wieder ein weiteres Projekt. Sie träumt von einer Schlossnacht. In der Art eines venezianischen Picknicks sollen Leute einen wunderschönen Abend bei Kerzenschein im Schlosspark verbringen, sich, in historische Roben gewandet, selbst inszenieren.
Von Renate Zunke

Foto zu Meldung: Ein Schloss zum Anfassen

Ein Dorf krempelt die Ärmel hoch

(12.07.2016)

Im Dörfchen Lohm sind die Einwohner gern in der Gemeinschaft, sei es beim Feiern oder beim Putzen. Eine Gruppe von 20 Herren trifft sich zweimal im Monat, um ehrenamtlich für Ordnung und Sauberkeit im Dorf zu sorgen. Im Lohm gilt: Selber machen geht am schnellsten – und ist außerdem noch gut für die Dorfgemeinschaft. Alle 14 Tage treffen sich Lohmer Männer zum Arbeitseinsatz, hier auf dem Spielplatz des Dorfes.


Quelle: Renate Zunke

 

Lohm. Wie ein grüner Teppich präsentieren sich die öffentlichen Rasenflächen. Der Spielplatz für die Kinder ist sauber geharkt, die Kanten an den Gehwegen akkurat geschnitten. Unkraut hat kaum eine Chance. Ohne Zweifel – Lohm ist ein schmucker, aufgeräumter Ort.


Einen großen Anteil daran hat die Männergruppe, die sich seit einigen Jahren zweimal im Monat vor der alten Molkerei trifft. Etwa 20 Herren im Alter zwischen 35 und 75 Jahren greifen zu Hacke, Spaten und Besen und sorgen ehrenamtlich für Ordnung im Dorf.
Die Initiatoren waren seinerzeit Wilfried Bork und Uwe Klingner, die der Lohmer Feuerwehr vorstanden. Die ging 2011 wegen Mangel an Nachwuchs mit Zernitz zusammen. Damals verfassten Wilfried Bork und Uwe Klingner ein Rundschreiben an die Männer mit der Bitte, gemeinsam zum Wohle des Dorfes tätig zu werden.


Reonanz auf Aufruf war riesengroß
Die Resonanz war groß. Seitdem laufen bei Wilfried Bork die Fäden zusammen. Er organisiert die notwendigen Arbeiten. So wurde zum Beispiel in der Begegnungsstätte des Dorfes eine Wand herausgenommen, um die Räume besser nutzen zu können. Hinter dem Feuerwehrgerätehaus entstand eine gepflasterte Fläche für kleine Feiern. Bänke wurden gestrichen und die etwa 100 Linden im Dorf befreit man regelmäßig vom Unterwuchs.
Erst kürzlich waren die fleißigen Männer wieder in Aktion. Die Trauerhalle auf dem Friedhof soll einen neuen Anstrich erhalten und wurde abgekärchert. Tüchtig gewirkt wurde auch auf dem Spielplatz. Den hat die Männertruppe im Jahr 2012 eigenhändig gebaut. Das Land dafür musste urbar gemacht, neues Grün angesät, Bäume und Sträucher gepflanzt werden. Wippe, Schaukel und Fußballtor, von der Gemeinde finanziert, wurden aufgestellt. Nach getaner Arbeit sitzt man dann natürlich gern noch bei einem Bierchen zusammen und bespricht die nächsten Vorhaben.


Wer arbeitet, soll auch feiern
Wer arbeitet, soll auch feiern, und das machen die Lohmer ebenfalls sehr gern in der Gemeinschaft. Dafür ist seit 25 Jahren der Dorfkulturverein zuständig. Es ist kein eingetragener Verein. Doch das braucht es auch gar nicht, um trotzdem mit Leidenschaft und Kompetenz Veranstaltungen im Dorf zu organisieren. Zum Team gehören Dietmar Schumacher, Wilfried Bork, Rita Hilbig, Christa Fileske, Uwe Klingner, Burkhard und Wilma Alder, Jörg Kusserow, Doren Steffin, Erika Leschner und Sigrid Schumacher.
Ein ganz besonderes Ereignis galt es in diesem Jahr zu organisieren. Am 25. Juni wurde ganz groß „680 Jahre Lohm“ gefeiert. Die Dorfbewohner und Gäste, dazu gehörten viele ehemalige Lohmer, trafen sich an einer langen Kaffeetafel. Hermann Geitz aus Zernitz hielt einen Vortrag zur Historie des Ortes. Höfe und beide Schlösser konnten besichtigt werden. Es gab ein Konzert in der Kirche, und nach dem Abendessen wurde in einem großen Zelt ausgiebig getanzt.


Von Renate Zunke

 

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Barockes Herrenhaus hat neue Besitzer

(08.07.2016)

Ein Londoner Architektenpaar will in Lohm ein barockes Herrenhaus sanieren und sich so einen Landsitz schaffen. Für das altehrwürdige Gebäude ist es ein Segen, dass es in die Hände von zwei Saskia und Jonas Lencer mit ihren Kindern Hannah und Jasper, die neuen Besitzer von Lohm I.
Quelle: Renate Zunke

 

Lohm. Gleich mit zwei barocken Herrenhäusern kann Lohm aufwarten. Denn das kleine Dorf war bis 1945 der Rittergutssitz des alten Adelsgeschlechts derer von Kröcher. Sie bewirtschafteten mehr als 600 Jahre die Flächen zwischen den Flüssen Havel und Dosse. Es waren die Brüder Heinrich und Jordan von Kröcher, die Markgraf Ludwig I. von Brandenburg 1337 mit den Dörfern Lohm und Dreetz belehnte. Bis 1945 blieben die Kröchers ununterbrochen als Guts- und Patronatsherren mit der Geschichte von Lohm verbunden und bewohnten hier im Spätmittelalter zeitweise mehrere Rittersitze, von denen sich im Verlaufe des 18. Jahrhunderts die Anteile Lohm I und Lohm II mit jeweils einem Rittersitz dauerhaft etablierten und auf denen dann eigenständige Wohnhöfe mit entsprechenden Bauten entstanden.
Das Herrenhaus befindet sich hinter der Kirche
Das Lohm I genannte Herrenhaus befindet sich hinter der Kirche am Ende des Dorfes. Mit ihm schufen sich 1737 Georg Vollrath von Kröcher und Sophie Charlotte von Winterfeld ihr herrschaftliches Domizil. Der Baumeister des rechteckigen, zweigeschossigen Putzbaus mit Walmdach und beidseitigen Anbauten ist unbekannt. Von der einstigen Größe und Ausstattung des Gutes Lohm I sprechen die vielen Gebäude, die sich einst auf dem gutseigenen Gelände befanden. Davon existiert heute neben dem Herrenhaus noch die ehemalige Wagenremise, die zu einem Einfamilienhaus umgebaut wurde. Die letzte Besitzerin von Lohm I, Ella von Kröcher, wurde 1947 während der Zeit der Bodenreform enteignet und aus Lohm ausgewiesen. Seinerzeit spielten sich im Herrenhaus tragische und traurige Szenen ab, weiß man noch heute im Dorf zu berichten.


Haus, Stallungen und der dazugehörige Park wurden zunächst drei Neubauern zugewiesen, wechselten dann nochmals die Besitzer. Das Herrenhaus mit Anbauten, im Gemeindebesitz, wurde immer wieder von neuen Mietern bewohnt. So nutzten Schulklassen, ein Kindergarten, eine Arztpraxis und ein Friseur das Haus. Bis heute ist es Domizil des Jugendclubs. In den Anbauten befinden sich Mietwohnungen. Eine Sanierung des Hauses ist dringend notwendig.

 

Wolf Dietrich von Winterfeld (r.) war Generalmusikdirektor am Mainzer Theater.


Quelle: Privat
Die steht kurz bevor, denn die Gemeinde hat das geschichtsträchtige Gebäude verkauft. Neue Besitzer von Lohm I sind Jonas und Saskia Lencer. Beide sind von Beruf Architekten und leben mit ihren zweijährigen Zwillingen Hannah und Jasper in London. Dass ihr Interesse an dem Lohmer Herrenhaus geweckt wurde, hat eine besondere Geschichte.
Elisabeth Lencer, die Mutter von Jonas Lencer, hatte eine Tante, die mit Wolf Dietrich von Winterfeld verheiratet war. Er gehörte zu den von Winterfelds, die im Besitz des benachbarten Neuendorf waren und 1945 ebenfalls enteignet wurden. Da war Wolf Dietrich 30 Jahre alt. In Westdeutschland schuf er sich eine neue Existenz. Am Mainzer Theater wirkte er als Generalmusikdirektor. Seine Frau Elisabeth arbeitete hier als Fotografin. Das Ehepaar hielt zu DDR-Zeiten Verbindung zur Kyritzer Verwandtschaft der ehemaligen Kinderfrau von Wolf Dietrich von Winterfeld.
Eine Urgroßtante von Neustadts Bürgermeisterin Sabine Ehrlich
Das war Helene Kulp aus Koppenbrück, eine Urgroßtante von Neustadts Bürgermeisterin Sabine Ehrlich. Sie erzählt: „Seine Dankbarkeit und Verbundenheit bezeugte Wolf Dietrich von Winterfeld seiner einstigen Kinderfrau, indem er die Rentnerin Anfang der 1970er Jahre nach Westdeutschland holte und ihr im Altersheim bis zum Lebensende eine sorgenfreie Zeit ermöglichte.“ Wolf Dietrich von Winterfeld starb 1978 und hinterließ keine Kinder.
„Ersatzkinder“ des Ehepaares von Winterfeld waren immer Nichte Elisabeth Lencer und ihre Geschwister. Elisabeth Lencer, die jetzt als Ärztin im Oldenburgischen Hude lebt, wuchs auf einem Gut im Ammerland auf. Deshalb war auch Sohn Jonas mit dem Landleben sehr vertraut. Er erzählt: „Ich arbeitete sehr gern mit dem Großvater im Wald.“ Und auch seine Frau Saskia ist von Kindheit auf mit dem Landleben verbunden, das ihr jetzt in London fehlt. Sie sagt: „Ich weiß noch gar nicht, wie ich meine Zwillinge in der Großstadt aufziehen soll.“ Denn so wie sie und ihr Mann aufwuchsen – Haustür auf und raus ins Freie – sollten es eigentlich auch Hannah und Jasper. In der Großstadt London ist das natürlich nicht möglich. Aber es fand sich eine Lösung, diesen Zustand zu ändern, und den Kindern wenigstens zeitweise das ungebundene Landleben zu ermöglichen.


Ein Ankerplatz in der Heimat der Vorfahren
Denn im Jahr 2014 konnten nach einem Gerichtsurteil die Erben der enteigneten Gutsbesitzer zehn Prozent ihrer einstigen Flächen zurückkaufen, was Elisabeth Lencer als Erbin derer von Winterfeld aus Neuendorf in Anspruch nahm. Das Land ist nun verpachtet, doch ein Ankerplatz in der Heimat der Vorfahren fehlte. „Da passte es perfekt, dass Lohm I zum Verkauf stand“, sagt Sohn Jonas Lencer. Damit können wir uns in Deutschland einen Standort schaffen, wo wir mit den Kindern zeitweise leben können.
Für das altehrwürdige Gebäude ist es auf jeden Fall ein Segen, dass es in die Hände von zwei Fachleuten kommt. Zusätzlich zu ihrem Architekturstudium hat Saskia Lencer 2004 in Berlin ein Denkmalpflege-Studium absolviert. Und so haben die Eheleute auch gute Kontakte, wenn es um fachliche Kompetenz bei der Bewertung der jetzigen Gebäudesubstanz und der zukünftigen denkmalgerechten Sanierung geht.


Sachverständiger nimmt Schäden unter die Lupe
Als die beiden „Londoner“ Mitte April für eine Woche mit ihren Kindern und Mutter Elisabeth Lencer in Lohm Quartier bezogen, erledigten sie nicht nur Behördengänge. Mithilfe eines Sachverständigen für Gebäudeschäden wurde der bauliche Zustand des zukünftigen Besitzes genau unter die Lupe genommen. Dabei kam unter anderem zum Vorschein, dass das Haus erst einen gelben, dann einen blauen, dann wieder einen gelben Anstrich erhielt. Sowieso werden Jonas und Saskia Lencer behutsam restaurieren. Zurzeit begrüßen sie jedes Detail, was im Ursprungszustand zum Vorschein kommt, wie zum Beispiel die alten Sandsteinplatten im Eingangsbereich oder der ehemalige Parkettboden, der unter dem Linoleum am Verschimmeln war.
Weil zu DDR-Zeiten Baumaterial immer knapp war, ist vieles noch im Originalzustand erhalten. Darüber freuen sich die neuen Besitzer sehr. Sie wollen in diesem Jahr die Planung abschließen und 2017 mit der Fassaden-Restaurierung beginnen. „Der Putz der Seitenflügel muss abgeschlagen werden. Das Fachwerk darunter ist wahrscheinlich marode“, sagt Saskia Lencer und meint außerdem: „Im Inneren ist aber alles so erhalten, dass es erst einmal nicht weiter verfällt.“ Es gibt vermietete Wohnungen in den Anbauten. Und der Jugendclub, der zurzeit ebenfalls noch im Schloss untergebracht ist, soll erst einmal bleiben, wird sich aber raummäßig verkleinern.
Von Renate Zunke

Foto zu Meldung: Barockes Herrenhaus hat neue Besitzer

Enger Kontakt zwischen Kindern und Senioren

(07.07.2016)

In Zernitz besteht ein guter Kontakt zwischen Senioren und Kindern. Die Volkssolidaritäts-Ortsgruppe und die Kita unterhalten eine Patenschaft. Die Senioren unternehmen aber auch gerne Ausflüge oder treffen sich zum Kartenspielen. Seit 55 Jahren besteht die Ortsgruppe.


Gisela Geitz ist die Hauptkassiererin der Volkssolidarität in Zernitz.
Quelle: Renate Zunke

 

Zernitz. Ausflüge in die nähere Umgebung, Schiffsfahrten auf dem Neuruppiner See, Kaffeetrinken in gemütlicher Runde, Weihnachtsfeiern – die Zernitzer Rentner sind gern gemeinsam aktiv. Seit 1961 gibt es die Gruppe der Volkssolidarität, die sich später aufteilte. „In jedem Ortsteil, also in Zernitz, Koppenbrück, Goldbeck und Neuendorf, gab es dann eine Gruppe“, erzählt Gisela Geitz. Die Frau, die da wohnt, wo jetzt nur noch die schnellen Züge vorbeirauschen, in Zernitz-Bahnhof, ist die Hauptkassiererin der Volkssolidarität im Ort. Die Vorsitzende ist Eveline Föhl.


Gisela Geitz: „1994 vereinigten sich die vier Gruppen wieder zu einer. Leider ist die Mitgliederzahl zurückgegangen. Gab es im Jahr 2000 noch 125 Mitglieder, sind es jetzt nur noch 36 mit einem Altersdurchschnitt von 74 Jahren.“ 1997 schlossen sich Zernitz und Lohm zu einer Gemeinde zusammen. „Obwohl sich die Gruppe der Volkssolidarität in Lohm inzwischen aufgelöst hatte, kamen wir uns nach dem Gemeindezusammenschluss wieder näher. Zernitzer und Lohmer Rentner trafen sich zum Beispiel auf Einladung von Bürgermeisterin Sigrid Schumacher im Bürger- und Vereinshaus in Lohm zur gemeinsamen Weihnachtsfeier. „Das hat auch den Zernitzern gefallen“, meint Gisela Geitz.


Die Raumsuche in Zernitz ist schwierig
Sowieso sei es schwierig geworden, in Zernitz einen geeigneten Raum für die Treffen zu finden, seitdem es keine Gaststätte mehr gibt. „Deren kleiner Saal war immer genau richtig für uns“, meint die Hauptkassiererin. Jetzt trifft man sich zur Jahresversammlung im Feuerwehrhaus des Ortes. Und die Rommee-Runde, so um die 15 Leute, kommt einmal im Monat im Zernitzer Sporthaus zusammen. 500 Euro hat die Gemeinde im Haushalt für die Volkssolidarität eingestellt. Dazu kommen 100 Euro für die ­Nutzung des Feuerwehrgerätehauses, dessen Träger das Amt Neustadt ist.


„Die Leute unternehmen gern etwas gemeinsam“, schätzt Gisela Geitz ein. So hat sie unter anderem einen Ausflug in den Garten der Familie Rose in Kümmernitz organisiert. Auf diese Oase traf sie durch Zufall während einer ihrer vielen Fahrradausflüge in die Umgebung. In diesem Zusammenhang soll angemerkt werden: Gisela Geitz konnte in diesem Jahr ihren 80. Geburtstag feiern. Aber dieses Alter sieht man der agilen Frau auf keinen Fall an.


Feiern in Dreetz und Kyritz
Sehr gern nimmt die Zernitzer Gruppe auch zentrale Termine der Volkssolidarität wahr. So nahm man zum Beispiel erst unlängst an der Eröffnung der Seniorenwoche im Dreetzer Arboretum teil. Und wenn in Bluhms Hotel in Kyritz Weihnachtsfeier der Volkssolidarität ist, sind die Zernitzer gern dabei. Auch regelmäßiger Seniorensport gehört zum Programm. Vorträge zu bestimmten Themen werden organisiert. Und dass den Mitgliedern der Volkssolidarität Glückwünsche zu den runden Geburtstagen überbracht werden, ist selbstverständlich, ebenso Krankenbesuche.


Einen sehr guten Draht hat die Zernitzer Gruppe zu den Jüngsten der Gemeinde: Zwischen dem Kindergarten und der Gruppe der Volkssolidarität besteht eine Patenschaft, per Vertrag besiegelt. So überraschten die Frauen der Volkssolidarität die Kinder zum Kindertag mit einem großen Obstkorb und halfen beim Waffelbacken. Auch Geld für besondere Anschaffungen haben die Rentner schon gespendet. „Das ist ja immer knapp“, meint Gisela Geitz. Die Kita-Kinder revanchieren sich, indem sie zum Beispiel die Programmgestaltung bei Veranstaltungen der Volkssolidarität übernehmen und bei runden Geburtstagen den Rentnern ein Ständchen überbringen.
Von Renate Zunke

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Foto zu Meldung: Enger Kontakt zwischen Kindern und Senioren

Angler beleben den Turniersport wieder

(05.07.2016)

Zernitz-Lohm

Das gemeinschaftliche Angeln im Kreis der Familie gilt bei den Anglern aus Zernitz-Lohm als die beliebteste Veranstaltung des Jahres – so erst wieder am vergangenen Sonnabend. Etwa 100 Mitglieder zählt der Verein, der zudem dabei ist, den Turniersport wiederzubeleben.

 

Zernitz-Lohm. Das Wetter wollte am Sonnabend einfach nicht mitspielen. Regen ohne Ende. Doch Petrijünger sind wetterfest. Außerdem hatte Jürgen Schumacher aus Lohm ein Zelt in Vehlgast am Ufer der Havel aufgestellt. So konnte das alljährliche Familienangeln starten. Es ist der Höhepunkt im Vereinsleben des Angelvereins Zernitz-Lohm, korrekt Deutscher Angelfischerverband Ortsgruppe Zernitz-Lohm, organisiert im Sportfischerverein Havelberg 1990.

 

Hervorgegangen ist die Ortsgruppe Lohm 1978 aus der Ortsgruppe Vehlgast-Breddin. Die hatte eine so hohe Mitgliederzahl, dass die Gründung einer weiteren Gruppe sinnvoll war. Joachim Steffin (Vorsitzender), Bernd Stenzel (Kassenwart) und Klaus Drescher (Schriftführer) waren die Gründungsmitglieder der Ortsgruppe Lohm, die schnell auf 100 Mitglieder anwuchs. In den folgenden Jahren zählte man zeitweise sogar 165 Mitglieder.

 

Schrottsammlungen und Aalgreifen

Sie mussten Ideen haben, um Sportveranstaltungen und Vereinsfeste durchführen zu können. Mit Tatkraft ging es zur Sache. So organisierte man zum Beispiel Schrottsammlungen und pflanzte Bäume unter Anleitung des Försters, um notwendiges Geld zu beschaffen. In der Lohmer Gaststätte wurden

Vereinsbälle gefeiert. Bei Dorffesten organisierten die Angler das beliebte Aalgreifen. 1991 übernahm Bernd Ludwig die Leitung des Vereins. Lothar Kulisch war der neue Kassenwart und Falko Geitz der Gewässerwart.

 

Aufgrund der unsicheren Lage am Arbeitsmarkt brachen die Mitgliederzahlen damals aber erst einmal ein. Zeit für das Hobby war knapp und man benötigte jetzt den Fischereischein A, um den Angelsport auszuüben. Heute zählt die Gruppe wieder 100 Mitglieder. Neben den Angelfreunden aus Zernitz-Lohm sind sogar Kyritzer, Mechower, Pritz­walker und Sachsen-Anhaltiner Vereinsmitglieder. Zehn davon sind Kinder und Jugendliche . „Die Kinder- und Jugendarbeit besitzt bei uns einen hohen Stellenwert“, sagt Falko Geitz, der jetzige stellvertretende Vorsitzende des Zernitz-Lohmer Angelvereins. Vorsitzender ist Bernd Ludwig, Sport- und Jugendwarte sind Jürgen Schumacher und Torsten Klingner, Wilfried Schulz ist der Kassenwart und Hermann Geitz der Schriftführer.

 

Martin, Jonas und Leon (v. r.) waren mit Begeisterung beim Familienangeln an der Havel dabei. Quelle: Renate Zunke

 

Mit Unterstützung des Amtes Neustadt konnte der Turniersport wieder belebt werden. Es gab Geld für die Anschaffung von Material für den Castingsport. In diesem Jahr wurden Trainingsruten und Zielscheibe gekauft, im nächsten Jahr sollen die Rollen dazukommen. Beim Pfingstfest in Zernitz wurden die Gerätschaften schon einmal vorgeführt. „Sowieso ist das gemeinschaftliche Angeln im Kreis der Familie mit Abstand die schönste Veranstaltung im Jahr“, meint Falko Geitz.

 

Das Familienangeln kann man ohne Probleme organisieren, denn der Zernitz-Lohmer Angelverein unterliegt dem Fischereigesetz von Sachsen-Anhalt. Dementsprechend können Familienangehörige auch ohne Angelschein, aber unter Anleitung angeln. „Laut Brandenburgischem Fischereigesetz ist das nicht möglich. Da muss jeder einen Angelschein haben“, erklärt Falko Geitz. Viele der Mitglieder nutzen das Familienangeln, um ihr Hobby schmackhaft zu machen. Dazu gehört der Aufenthalt in der wunderschönen Natur.

 

Am Sonnabend hatte Petrus am späten Nachmittag dann doch noch ein Einsehen. Als das Angeln beendet war und sich die Petrijünger zum gemütlichen Beisammensein am Grill trafen, strahlte wieder die Sonne.

 

Von Renate Zunke

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Ausstellung „Abenteuer Farbe“ eröffnet

(04.07.2016)

Koppenbrück

44 Arbeiten von Ute König sind in einer neuen Ausstellung zu sehen, die am Sonnabend in Koppenbrück (Amt Neustadt) eröffnet worden ist. „Abenteuer Farbe“ lautet der Titel der Exposition in der „Galerie im Grünen“. Ute König malt ihre Bilder fast ausschließlich in der freien Natur. „Ich brauche die Atmosphäre“, sagt sie.

 

Koppenbrück. Eine Autokarawane bewegte sich am Sonnabendnachmittag in Richtung Koppenbrück. In der beschaulichen Wiesenstraße des Ortes wurden dann die Parkmöglichkeiten immer knapper. Anziehungspunkt war die „Galerie im Grünen“ von Ute König. Sie eröffnete im Jahr 2012 diesen Ort der Kunst, entstanden aus einem ehemaligen Stall inmitten der Wiesen. Dessen nun ausgebauter Heuboden bietet viel Platz und Licht, um Bilder auszustellen.

 

44 ihrer jüngsten Werke präsentierte die Neustädterin am Sonnabend den zahlreichen Kunstinteressierten, und die zeigten sich sehr beeindruckt. „Deine Bilder sind ein Traum“, schrieb Helga Hinz aus Kyritz ins Besucherbuch. Und das will etwas heißen.

 

Immerhin kommen diese Worte von einer Frau, die einen Namen in der einheimischen Kunstszene hat. Sie malt selbst und gibt Kurse in Sachen Malerei.

 

Ein milder Schleier lag über der Havel

Ute König malt seit ihrer Schulzeit, angeleitet von ihrer einstigen Kunsterzieherin Reinhilde Dech. Beide Frauen inspirierten sich auch später gegenseitig. Doch Ute König ist immer konsequent ihren eigenen künstlerischen Weg gegangen. Sie malt fast ausschließlich in der freien Natur. „Ich brauche die Atmosphäre“, sagt sie. „Sanfte Havel“ hat sie zum Beispiel eines ihrer Bilder genannt, das versinnbildlicht, wie Atmosphäre eingefangen wurde. Ute König erinnert sich noch genau an den Augenblick: „Es war Oktober. Alles war so dunstig, ein milder Schleier lag über der Havel. Trotzdem schien die Sonne. Es war eine wunderschöne Stimmung, als dieses Bild entstand.“

 

Sowieso findet die Malerin viele ihrer Motive in der unmittelbaren Umgebung und meint: „Das Wasser in unserer Landschaft ist einfach inspirierend.“ Architektur lässt sich viel besser darstellen, wenn man sie nicht von einem Foto abmalt, ist sich Ute König ebenfalls sicher. So würde man die Perspektiven besser erkennen.

 

Der „Kings Canyon“ in Australien war ein Motiv in Australien.

Quelle: Renate Zunke

 

Diese Arbeitsweise hat sie auch bei ihren Skizzen aus Australien praktiziert. Hier war sie vor zwei Jahren in einem Wohnwagen unterwegs – mit Schwester Elke, einer Neuruppinerin, und Bruder Eckhard, der seit 25 Jahren in Australien lebt. Mit von der Partie waren die jeweiligen Ehepartner. „Zu sechst waren wir unterwegs, und die Frau meines Bruders, eine Australierin, führte uns zu den schönsten Orten“, berichtet Ute König. Die dann mit Marmormehl gemalten Bilder hängen nun in der Ausstellung und fanden am Sonnabend viele Bewunderer.

 

Die jüngsten Bilder der Ausstellung entstanden vor 14 Tagen in Gülpe im Havelland. Hier besucht Ute König oft Malkurse der freischaffenden Künstlerin Jordis Hammer und tauscht sich mit anderen Malfreunden aus. Techniken zu vervollkommnen, sich in der Malerei weiterzuentwickeln, das ist der selbstkritischen Frau, die beruflich als Unternehmerin tätig ist, sehr wichtig.

 

Studienreise nach Prag

So hat sie in der letzten Maiwoche dieses Jahres eine Studienreise nach Prag unternommen. Hier nahm sie an einem Lehrgang des anerkannten Aquarellmalers Alvaro Castagnet teil. Danach reiste sie mit der Schwester nach Hiddensee. Sie sagt: „Auf der Insel konnte ich gleich umsetzen, was ich in Prag aufgenommen habe.“

 

Auch diese Bilder finden sich nun in der „Galerie im Grünen“.

 

Nicht ohne Grund hat Ute König die Exposition in Koppenbrück „Abenteuer Farbe“ genannt. „Bilder, mit Marmormehl gemalt, sind ein Abenteuer“, weiß die Künstlerin. „Du machst es rüber, wäscht es wieder ab, manchmal bis zu zehn Schichten. Dann kommt der Aha-Effekt.“ Ganz bewusst gestaltete sie die Ansichten von Dresden und der Neustädter Kreuzkirche in dieser Technik nicht farbig. „Die Bilder sollten nicht zu kitschig aussehen“, erklärt sie. Sie wirken besonders eindrucksvoll auf den Betrachter und lenken gerade wegen ihrer Einfarbigkeit auf das Wesentliche.

 

Die Ausstellung „Abenteuer Farbe“ mit Bildern von Ute König kann noch an den zwei kommenden Sonnabenden (9. und 16. Juli) besichtigt werden. Dann ist die Galerie im Koppenbrücker Wiesenweg 7 von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Wer die Galerie im Grünen in ­Koppenbrück ­außerhalb dieser Öffnungszeiten besichtigen möchte, kann sich unter Tel.  033970/1 38 16 in der Zeit von 8 bis 18 Uhr bei Ute König melden.

 

Diese Ansicht (Ausschnitt) der Neustädter Kreuzkirche fand viele Bewunderer. Quelle: Renate Zunke

 

Von Renate Zunke

Foto zu Meldung: Ausstellung „Abenteuer Farbe“ eröffnet

Ausstellung „Abenteuer Farbe“ eröffnet

(04.07.2016)

Koppenbrück

44 Arbeiten von Ute König sind in einer neuen Ausstellung zu sehen, die am Sonnabend in Koppenbrück (Amt Neustadt) eröffnet worden ist. „Abenteuer Farbe“ lautet der Titel der Exposition in der „Galerie im Grünen“. Ute König malt ihre Bilder fast ausschließlich in der freien Natur. „Ich brauche die Atmosphäre“, sagt sie.

 

Koppenbrück. Eine Autokarawane bewegte sich am Sonnabendnachmittag in Richtung Koppenbrück. In der beschaulichen Wiesenstraße des Ortes wurden dann die Parkmöglichkeiten immer knapper. Anziehungspunkt war die „Galerie im Grünen“ von Ute König. Sie eröffnete im Jahr 2012 diesen Ort der Kunst, entstanden aus einem ehemaligen Stall inmitten der Wiesen. Dessen nun ausgebauter Heuboden bietet viel Platz und Licht, um Bilder auszustellen.

 

44 ihrer jüngsten Werke präsentierte die Neustädterin am Sonnabend den zahlreichen Kunstinteressierten, und die zeigten sich sehr beeindruckt. „Deine Bilder sind ein Traum“, schrieb Helga Hinz aus Kyritz ins Besucherbuch. Und das will etwas heißen.

 

Immerhin kommen diese Worte von einer Frau, die einen Namen in der einheimischen Kunstszene hat. Sie malt selbst und gibt Kurse in Sachen Malerei.

 

Der „Kings Canyon“ in Australien war ein Motiv in Australien.

Quelle: Renate Zunke

 

Ein milder Schleier lag über der Havel

Ute König malt seit ihrer Schulzeit, angeleitet von ihrer einstigen Kunsterzieherin Reinhilde Dech. Beide Frauen inspirierten sich auch später gegenseitig. Doch Ute König ist immer konsequent ihren eigenen künstlerischen Weg gegangen. Sie malt fast ausschließlich in der freien Natur. „Ich brauche die Atmosphäre“, sagt sie. „Sanfte Havel“ hat sie zum Beispiel eines ihrer Bilder genannt, das versinnbildlicht, wie Atmosphäre eingefangen wurde.

 

Ute König erinnert sich noch genau an den Augenblick: „Es war Oktober. Alles war so dunstig, ein milder Schleier lag über der Havel. Trotzdem schien die Sonne. Es war eine wunderschöne Stimmung, als dieses Bild entstand.“

 

Sowieso findet die Malerin viele ihrer Motive in der unmittelbaren Umgebung und meint: „Das Wasser in unserer Landschaft ist einfach inspirierend.“ Architektur lässt sich viel besser darstellen, wenn man sie nicht von einem Foto abmalt, ist sich Ute König ebenfalls sicher. So würde man die Perspektiven besser erkennen.

 

Diese Arbeitsweise hat sie auch bei ihren Skizzen aus Australien praktiziert. Hier war sie vor zwei Jahren in einem Wohnwagen unterwegs – mit Schwester Elke, einer Neuruppinerin, und Bruder Eckhard, der seit 25 Jahren in Australien lebt. Mit von der Partie waren die jeweiligen Ehepartner. „Zu sechst waren wir unterwegs, und die Frau meines Bruders, eine Australierin, führte uns zu den schönsten Orten“, berichtet Ute König. Die dann mit Marmormehl gemalten Bilder hängen nun in der Ausstellung und fanden am Sonnabend viele Bewunderer.

 

Diese Ansicht (Ausschnitt) der Neustädter Kreuzkirche fand viele Bewunderer. Quelle: Renate Zunke

 

Die jüngsten Bilder der Ausstellung entstanden vor 14 Tagen in Gülpe im Havelland. Hier besucht Ute König oft Malkurse der freischaffenden Künstlerin Jordis Hammer und tauscht sich mit anderen Malfreunden aus. Techniken zu vervollkommnen, sich in der Malerei weiterzuentwickeln, das ist der selbstkritischen Frau, die beruflich als Unternehmerin tätig ist, sehr wichtig.

 

Studienreise nach Prag

So hat sie in der letzten Maiwoche dieses Jahres eine Studienreise nach Prag unternommen. Hier nahm sie an einem Lehrgang des anerkannten Aquarellmalers Alvaro Castagnet teil. Danach reiste sie mit der Schwester nach Hiddensee. Sie sagt: „Auf der Insel konnte ich gleich umsetzen, was ich in Prag aufgenommen habe.“ Auch diese Bilder finden sich nun in der „Galerie im Grünen“.

 

Nicht ohne Grund hat Ute König die Exposition in Koppenbrück „Abenteuer Farbe“ genannt. „Bilder, mit Marmormehl gemalt, sind ein Abenteuer“, weiß die Künstlerin. „Du machst es rüber, wäscht es wieder ab, manchmal bis zu zehn Schichten. Dann kommt der Aha-Effekt.“ Ganz bewusst gestaltete sie die Ansichten von Dresden und der Neustädter Kreuzkirche in dieser Technik nicht farbig. „Die Bilder sollten nicht zu kitschig aussehen“, erklärt sie.

 

Sie wirken besonders eindrucksvoll auf den Betrachter und lenken gerade wegen ihrer Einfarbigkeit auf das Wesentliche.

 

Die Ausstellung „Abenteuer Farbe“ mit Bildern von Ute König kann noch an den zwei kommenden Sonnabenden (9. und 16. Juli) besichtigt werden. Dann ist die Galerie im Koppenbrücker Wiesenweg 7 von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Wer die Galerie im Grünen in ­Koppenbrück ­außerhalb dieser Öffnungszeiten besichtigen möchte, kann sich unter Tel.  033970/1 38 16 in der Zeit von 8 bis 18 Uhr bei Ute König melden.

 

Von Renate Zunke

Foto zu Meldung: Ausstellung „Abenteuer Farbe“ eröffnet

Biber erzwingt Wegesperrung bei Neustadt

(13.05.2016)

Das Amt Neustadt hat jetzt die Notbremse gezogen und lässt den Weg zwischen Goldbeck und Sieversdorf vorläufig für Fahrzeuge sperren. Die Schäden durch Biberbauten lassen einen sicheren Verkehr inzwischen nicht mehr zu.


Seltene Begegnung: Am helllichten Tag überquert ein Biber die Straße zwischen Dreetz und Giesenhorst und lässt sich auch von Passanten nur wenig stören.
Quelle: Joachim Ribbe

Goldbeck. Es hat sich seit Monaten abgezeichnet: Der etwa drei Kilometer lange Weg zwischen Goldbeck und Sieversdorf (Amt Neustadt) wird nun gesperrt. Die Amtsverwaltung hat bereits provisorisch einige Schilder und ein Sperrgitter aufstellen lassen. Die offizielle verkehrsbehördliche Anordnung ist beim Landkreis beantragt.


Grund sind die Aktivitäten der Biber im Graben direkt neben der Fahrbahn. Die Böschung der Straße hat sich für sie offenbar als ideales Baugebiet erwiesen. Gänge und Höhlen durchziehen den Boden und lassen das Betonpflaster darüber immer wieder unvermutet absacken – manchmal metertief. Es drohen Unfälle. Außerdem gehen die ständigen Reparaturen inzwischen richtig ins Geld.


Seit Jahren wird darüber diskutiert, was sich gegen die Misere unternehmen lässt. Bei der jüngsten Sitzung der Neustädter Stadtverordneten machte Amtsdirektor Dieter Fuchs aus seiner Unzufriedenheit keinen Hehl. Bislang habe man schon über 11 000 Euro allein für die Reparaturen am Weg ausgegeben. Auf die Dauer gehe das nicht so weiter. Den Graben einfach trockenzulegen, um den Biber zu vertreiben, sei nicht machbar. Zwar seien Fördermittel für den Böschungsschutz beantragt, doch ein Bescheid stehe nach wie vor aus. „Die Untere Naturschutzbehörde muss endlich mal wirksame Maßnahmen vorschlagen“, forderte Dieter Fuchs. „Wir sind sehr an einer kurzfristigen Lösung interessiert.“


Solch eine Lösung hat auch der Wasser- und Bodenverband „Dosse-Jäglitz“, der die Gräben in der Region instand hält, nicht parat. Verbandsgeschäftsführer Gernot Elftmann denkt momentan vor allem an eine Befestigung der Böschung. Schotter wäre vorstellbar. Anderswo wurden auch schon Metallgitter in den Boden gegraben. Der technische und vor allem der finanzielle Aufwand wäre in jedem Fall beträchtlich. Der Verband habe bei der Investitionsbank des Landes Unterstützung beantragt. Aber es sei nicht abzusehen, ob und wann es die gibt.


Angesichts dieser Situation werden Stimmen lauter, die ein direkteres Vorgehen fordern: „Problembiber“ wegfangen und umsiedeln oder bejagen.


Leute, die sich mit der Situation beschäftigt haben, schätzen die Erfolgsaussichten als gering ein – ganz abgesehen davon, dass die Tiere europaweit streng geschützt sind. „Der Bestand ist inzwischen so hoch, dass Biberreviere, die frei werden, schnell wieder besetzt sind“, sagt Joachim Ribbe. Der Dreetzer ist seit Jahren als ehrenamtlicher Biberbeobachter für die Naturschutzstation in Zippelsförde unterwegs und behält den Bestand im Auge. Der habe sich bemerkenswert entwickelt: „Den Biber gab’s bei uns zu Anfang eigentlich nur noch vereinzelt im Dreetzer Raum. Inzwischen hat er sich flächendeckend ausgebreitet.“ Zwar seien die Tiere nicht an jedem Ort zu jeder Zeit anzutreffen, doch wenn die Bedingungen stimmen, müsse man nicht lange auf sie warten. Wasser, geeignetes Gelände für den Höhlen- oder Burgenbau und das Futterangebot seien ausschlaggebend, so Ribbe.


Am Weg zwischen Goldbeck und Sieversdorf sind die Bedingungen offensichtlich ideal: der gut wasserführende Graben, die Böschung mit Baumbestand und direkt angrenzend Acker. Im vergangenen Jahr war dort großflächig Mais angebaut. Für Biber ein Festessen, das auch die Jungen gut heranwachsen lässt. Dieses Jahr steht Raps auf dem Feld. Wie sich das auswirkt, wird sich zeigen.


„In Hohenofen am Dosse-Rhin-Zuleiter gibt es einen ähnlichen Fall“, berichtet Joachim Ribbe. „Aber der Weg da ist nicht so stark befahren.“ Dort seien zum Schutz der Böschung Gitter in den Boden eingegraben worden. „Das ist sehr aufwendig. Das kann man nicht überall machen.“


Im Landkreis Ostprignitz-Ruppin wurden in den zurückliegenden Jahren bereits immense Summen investiert, um den tierischen Baumeistern Grenzen zu setzen. Die Dämme an der Fehrbelliner und Ruppiner Wasserstraße ließ das Land für Millionen bibersicher aufrüsten. Bei Friedrichsgüte nahe Wittstock wurde vor gut zwei Jahren ein Wegedamm komplett erneuert, nachdem Zeit und Biber dem alten erheblich zugesetzt hatten. Die rund 100 Meter kosteten über 100 000 Euro. Die Hälfte zahlte die Kommune.


Bei Goldbeck wäre sicherlich kein kompletter Neubau nötig. Allerdings ist die betroffene Strecke mit etwa einem Kilometer deutlich länger.


Von Alexander Beckmann

 

Foto zu Meldung: Biber erzwingt Wegesperrung bei Neustadt

Gänge unter der Fahrbahn

(02.05.2016)

Goldbeck: Biber zwingt zu Straßensperrung
Seit Monaten bereitet der Weg zwischen Goldbeck und Sieversdorf zunehmend Sorgen: Biber haben sich im nahen Graben angesiedelt und die Straßenböschung zum Baugebiet erkoren. Das führt mehr und mehr zu Schäden an der Straße. Die soll nun gesperrt werden.


Schon seit Monaten gibt es Warnhinweise und Baustellen auf der Straße zwischen Goldbeck und Sieversdorf.
Quelle: Alexander Beckmann

 

Goldbeck. Die Neustädter Amtsverwaltung zieht jetzt die Notbremse: Der Goldbecker Weg zwischen Sieversdorf und Goldbeck soll für den Durchgangsverkehr gesperrt werden. Auslöser sind die im benachbarten Graben heimischen Biber.
Schon im vergangenen Jahr hatten die Aktivitäten dieser Nager zunehmend Sorgen bereitet. Die Grabenböschung entlang des etwa drei Kilometer langen und gepflasterten Weges ist für die Tiere ein ausgesprochen beliebter Siedlungsort. Sie graben dort mit großer Ausdauer Höhlen, die die Fahrbahn stellenweise komplett unterqueren und immer wieder zu großflächigen Absackungen führen.


„Der Biber ist inzwischen einmal komplett unter der Fahrbahn durch“, berichtet Daniel Bloch von der Bauverwaltung des Amtes Neustadt. „Wir müssen jetzt erstmal gucken, welche Schäden da sind.“ Die Biber untergraben systematisch die Straßenböschung.
Quelle: dpa


Die Bibergänge lassen das Straßenpflaster immer wieder unerwartet einbrechen. Nicht selten sind die Löcher Meter breit – und tief. „Das ist gefährlich“, schätzt Daniel Bloch ein. Am Dienstag solle es aus diesem Grunde eine Verkehrsschau geben. „Da guckt die Verkehrsbehörde des Landkreises sich das an und wird festlegen, wie es weitergeht.“ Unter anderem würden noch Details der Beschilderung geklärt. Das Amt habe auf jeden Fall die Sperrung dieses Weges beantragt – vorerst jedoch befristet bis Ende August.


„Wir wollen sehen, dass wir die Landesbiberbeauftragten hierher bekommen“, kündigt Bloch an. Auch der Wasser- und Bodenverband werde sicherlich mit am Tisch sitzen. Auch der Verband mache sich zunehmend Sorgen um Schäden durch Biber. „Die Kubikmeter Material, die in unserer Straße fehlen, sind jetzt ja in den Gräben drin“, nennt Daniel Bloch als Beispiel. Darüber, wie sich solche Schäden durch die streng geschützten Biber vermeiden lassen, gehen die Meinungen weit auseinander.
Von Alexander Beckmann

Foto zu Meldung: Gänge unter der Fahrbahn

Nachwuchserfolg in Zernitz

(22.01.2016)

Feuerwehrpersonal

Die Feuerwehr Zernitz-Lohm hatte jüngst ihre Jahresdienstversammlung. Ein Thema war der Nachwuchs, denn der kann sich sehen lassen. Die Werbung um neue, junge Mitglieder fruchtete schließlich und dürfte Vorbild auch für andere Orte werden.

 

Dabei war die vorab getroffene Entscheidung eine denkbar einfache.

 

Susann Heller und ihre Kinder- und Jugendgruppe als die große Zernitz-Lohmer Nachwuchshoffnung.

 

Zernitz-Lohm. Die Aussichten sind für viele Feuerwehren der Region mangels Nachwuchs nicht gerade rosig. Um so bemerkenswerter ist es, wie zuversichtlich sich die Zernitz-Lohmer jetzt äußern können. Denn, woran vor Jahren noch nicht zu denken war, ist jetzt geschafft: Die Kinder- und Jugendabteilung zählt 13 Mitglieder. Das ist ein gutes Verhältnis angesichts einer Gesamtzahl von 62 Mitgliedern, von denen 28 im aktiven Dienst stehen und 21 zur Alters- und Ehrenabteilung gehören.

 

 

„Wir hatten uns dazu durchgerungen, die Jugendabteilung auch für Kinder zu öffnen, als im Altersbereich zwischen 10 und 16 Jahren fast keiner mehr da war“, erklärt Vize-Wehrführerin Susann Heller.

 

Im September 2014 wurde ein entsprechender Aufruf gestartet. Die Kita in Zernitz bot sich dafür geradewegs an. Es sollten dann aber doch erst Kinder im Grundschulalter gesucht werden.

 

Die Werbung wurde mit einem Infoabend intensiviert – und sie fruchtete. Es lassen sich jetzt zwar immer noch nur zwei Jugendliche zählen im Alter von 15 und 16 Jahren, dazu kommen aber eben elf im Alter von maßgeblich sechs bis neun Jahren.

 

Unter anderem wegen ihres Engagements für den Nachwuchs erhielt Susann Heller vorigen Monat das Ehrenkreuz des Kreisfeuerwehrverbandes Ostprignitz- Ruppin „für besondere Verdienste“, und zwar von Landrat Ralf Reinhardt persönlich ans Revers geheftet (MAZ berichtete). „Dabei mache ich das nur, seitdem kein anderer dafür da war und es einer ja machen muss“, erzählt die 30-Jährige, die in ihrer Bezeichnung als Kinder- und Jugendfeuerwehrwartin deshalb den Zusatz „kommissarisch“ trägt.

 

Susann Heller, die mancher als Beschäftigte aus der Neustädter Amtsverwaltung kennt, kam 1997 einst auch schon im Alter von 12 Jahren zur Feuerwehr. Ihre jüngste Auszeichnung wurde dort kürzlich auch bei der Jahresdienstversammlung lobend hervorgehoben. Des Weiteren gab es die üblichen Beförderungen und die Jahresbilanz. Laut der mussten die Leute von Wehrführer Tino Sachs zu neun Einsätzen ausrücken, was für Zernitz-Lohmer Verhältnisse viel ist. Es waren fünf Brände, wobei im Oktober ein schwerer Gebäudebrand der heftigste Einsatz überhaupt war, zudem drei technische Hilfeleistungen sowie eine Übung.

Aber es wurde auch gefeiert, so etwa mit einem Ball, wie es ihn einst schon mal gab und wie es ihn auch dieses Jahr wieder geben soll, und zwar dann als Feuerwehr und Sportlerball aus Anlass des 105. Geburtstags der Brandschützer und des 65. des Zernitzer SV.

 

Aktionen scheinen zu helfen

39 von 100 Jugendlichen, die im vergangenen Jahr aus einer Jugendfeuerwehr in Ostprignitz-Ruppin ausgetreten sind, erklärten laut Kreisbrandmeister Wolfgang Hohenwald, dass sie keine Lust mehr haben. Dies könne bedeuten, dass die Ausbildung für junge Feuerwehrleute in einigen Fällen nicht abwechslungsreich und spannend genug gestaltet wird. Nun wird mit den Betreuern geredet.

 

22 Kinder indes gehören jetzt nach einer Aktion zur Jugendwehr des nur knapp 300 Einwohner zählenden Dorfes Linow: Alle Eltern wurden angeschrieben und mit ihren Kindern zu einem Feuerwehrtag eingeladen.

 

97 Mitglieder zählt Neuruppins Jugendfeuerwehr, die damit trotz leichten Rückgangs weiter die mitgliederstärkste in Ostprignitz-Ruppin ist.

 

Eine Menge steht auf dem Jahresprogramm 2016 natürlich aber auch wieder für die Jüngsten. Für die „Kinderflamme“ etwa, die vom Landesfeuerwehrverband vor einiger Zeit initiiert wurde als Vorbereitung auf die bisher nur mögliche Jugendflamme, soll der 2.Testabschnitt absolviert werden. Hinzu kommen Ausflüge und jede Menge thematische Aktionen rund ums Thema Feuer und Brandschutz sowie Bastelnachmittage für die Kinder. Sie sollen schließlich mit Begeisterung bei der Sache bleiben, um dann irgendwann in den aktiven Dienst samt Grundausbildung überzutreten. Das ist in der Regel im Alter zwischen 16 und 18 Jahren möglich.

 

Von Matthias Anke

Foto zu Meldung: Nachwuchserfolg in Zernitz