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Neustadt (Dosse)

Vorschaubild

Einwohlerzahl: 3435 (Stand: 31.12.2015)

Fläche: 75.426.258 m²

Bürgermeister: Karl Tedsen Spiegelberg 74  16845 Neustadt (Dosse)

Sprechzeiten:

 nach telefonischer Vereinbarung

Tel. 033970/15747


Neustadt gehört zu jenen Städten, deren Namen es in Deutschland über 30-mal gibt. Um Verwechslungen vorzubeugen - Neustadt liegt am kleinen Flüsschen Dosse und wird seit über 200 Jahren als ,,Stadt der Pferde' bezeichnet. Seit dem 1. Januar 2000 ist diese Bezeichnung auch amtlich und der vollständige Name lautet daher ,,Neustadt (Dosse), Stadt der Pferde'. Neustadt (Dosse) liegt im neu gebildeten Landkreis Ostprignitz-Ruppin (OPR) und zählt ca. 4000 Einwohner und hat als einziger Ort im gleichnamigen Amtsbereich Stadtcharakter. Die Stadt erwuchs aus dem eigentlichen Landstädtchen, den Dörfern Spiegelberg, Köritz und Kampehl sowie der Kolonie Schönfeld. Die Besiedlung des Neustädter Raumes begann in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts: Auf dem heute als Amtsfreiheit bekannten Gelände wurde eine frühdeutsche Burg errichtet, die den Dosseübergang an der Handelsstraße von Havelberg nach Ruppin sicherte. In den ältesten schriftlichen Überlieferungen aus dem Jahr 1375 wird Neustadt bereits der Prignitz zugerechnet, die von Havelberg aus besiedelt wurde. In der Folge wechselten die Eigentümer der Stadt häufig. Neustadt gehörte im Laufe der Jahrhunderte bis 1945 u.a. den Familien von Bredow, von Quitzow, von Winterfeld, von Königsmark, den Grafen zu Lindow-Ruppin, ja selbst Friedrich- Wilhelm (Der Große Kurfürst, 1620-1686) nannte die Stadt sein Eigen. Als 1662 der Landgraf von Hessen-Homburg, Friedrich II. (1633-1708) den Flecken erwarb, begann der Aufschwung Neustadts zu einem Landstädtchen. ,,Der Prinz mit dem Silberbein', wie ihn Fontane in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" nannte -er hatte in der Schlacht bei Kopenhagen (1659) gegen die Schweden ein Bein verloren und trug seitdem eine Beinprothese mit silbernen Scharnieren- ging mit Elan an die Beseitigung der Schäden des Dreißigjährigen Krieges und den Wiederaufbau seiner neuen Besitzung. Er vergrößerte den Ort beträchtlich, der bis dato nur aus sieben Bauernhöfen, einer Schmiede und einer Mühle bestand. Im Einvernehmen mit dem Großen Kurfürsten siedelte er französische Hugenotten, Holländer und Franken an, um Handwerk und Gewerbe zu fördern. Zusätzlich bemühte er sich, die Stadtrechte für Neustadt zu erlangen, die der Große Kurfürst dem Städtchen am 24. August 1664 gewährte. Das vom Prinzen von Hessen-Homburg gestiftete Stadtwappen wird bis heute als Siegel verwendet. Es zeigt einen gezinnten, roten Torbau mit blauen Kupferdach, darauf ein silber- und goldfarbener Löwe mit einem Elch im Hintergrund. Der Löwe ist das Wappentier des Landgrafen von Hessen-Homburg, der Elch ist eine Reminiszenz an seine schwedische Zeit, aus der auch die Ehe mit seiner ersten Frau, Gräfin Brahe, herrührt. Obwohl ein Brand 1666 Schloss, Kirche und weite Teile der Stadt vernichtete, ging die wirtschaftliche Entwicklung voran. Die Stadt wurde wieder aufgebaut, der 1696 fertig gestellte Kirchenbau mit seinem gleichseitigem, achteckigen Grundriss und den vier rechteckigen Kreuzarmen war er der erste kirchliche Zentralbau in der Mark Brandenburg und ist damit auch heute ein bedeutendes Baudenkmal. Über einem achteckigen Kuppeldach erhebt sich der Turm mit geschweifter Haube und geschlossener Laterne. Wie die Stadt, so verdankt auch die Region dem Landgrafen von Hessen-Homburg einiges: So begründete er eine Eisenhütte im benachbarten Hohenofen, eine Papiermühle und eine Ziegelei. Auf den trocken gelegten Flächen zwischen Schwenze und Dosse begann er die Pferdezucht. Die 1688 gegründete Spiegelmanufaktur war die größte ihrer Art in Brandenburg-Preußen und lieferte bis 1844 wertvolle Spiegel, u.a. an die preußischen Kurfürsten und Könige, so auch für Schloss Sanssouci in Potsdam. In Neustadt erinnern heute noch der Ortsteil Spiegelberg und sein Park daran, dort finden sich auch noch einige Fachwerkhäuser aus der Zeit. Das 1701 erbaute Schloss Spiegelberg, als Herrenhaus für die Spiegelmanufaktur errichtet, wurde im Zuge umfangreicher Rekonstruktionsarbeiten zu einem Internat für Reitschüler der Neustädter Schule umgebaut. Neustadt (Dosse) wird seit über 200 Jahren durch die größte Gestütsanlage Deutschlands geprägt und nennt sich zu Recht ,,Stadt der Pferde'. Friedrich Wilhelm II., preußischer König (1744-1797), beauftragte 1786 Carl Graf von Lindenau (1755-1842) mit der Reorganisation des Preußischen Gestütswesen "zum Besten des Landes". 1788-1790 entstanden in Neustadt zwei Gestütsanlagen, das Friedrich-Wilhelm Gestüt und das kurmärkische Landgestüt. Beide Gestütsanlagen, großzügig und zweckmäßig zugleich, beeindrucken noch heute jeden Besucher, zumal sie noch so ursprünglich erhalten und genutzt werden.

Die Beweggründe waren damals vor allem militärischer Art, heute sind im Hauptgebäude des Landgestüts der Sitz des Landstallmeisters, die Verwaltung der Stiftung Brandenburgisches Haupt- und Landgestüt und die Geschäftstelle des Brandenburgischen Pferdezuchtverbandes untergebracht.

Ausgebildete Hengste und Zuchtstuten werden hier verkauft oder gelangen zur jährlichen Auktion. Im Neustädter Gestütsbrandzeichen stehen der Pfeil für Schnelligkeit und die Schlange für Wendigkeit für das hier gezüchtete ,,Edle Warmblut'. Daneben organisieren die Gestüte in Verbindung mit dem Reit- und Fahrverein weitere pferdesportliche Veranstaltungen wie Reit- und Springturniere oder Fahrtturniere. Neben klassischer Reittouristik gehören auch Lehrgänge im Reiten, Fahren sowie Ferienlehrgänge für Kinder zum Angebot der Gestüte. Das Areal der beiden Gestüte umfast ca. 400 Hektar. Auf Grund seiner einmaligen Schönheit steht die gesamte Anlage unter Denkmalschutz und zieht jährlich Tausende Besucher an. Die barocken, schlossartigen Hauptgebäude der Gestüte sowie die großzügig angelegten Anlagen mit Wohn-, Stall- und Wirtschaftsgebäuden, 1787-1791 erbaut, laden zu einer Besichtigung ein. Baumallen durchziehen die Anlagen, die in Verbindung mit den Reit- und Wanderwegen um Neustadt ein dichtes Wegenetz für Reiter und Spaziergänger bilden. Alljährlicher Besuchermagnet sind seit 1926 die Neustädter Pferdetage, die mit ihren hochrangigen Leistungsschauen jeweils Tausende von Besuchern an vier Wochenenden im September und Oktober in die Stadt locken.

Nicht weit vom Haupt- und Landesgestüt gelegen, entdeckt man das liebevoll restaurierte und 1997 fertig gestellte Ensemble des Kirchplatzes, das in früheren Zeiten mit der Kreuzkirche, dem Rathaus, der Amtsfreiheit, der Post und dem inmitten gelegenen Marktplatz das Zentrum des Ortes bildete. Bereits 1846 erhielt Neustadt (Dosse) Anschluss an die Bahnstrecke Berlin-Hamburg. Der Ort wurde zum Knotenpunkt der Bahnlinien in Richtung Rathenow, Neuruppin und Pritzwalk. Bahnreisende, die mit der Regionalbahn aus Berlin oder Richtung Hamburg kommend in Neustadt (Dosse) aussteigen, werden von einem imposanten, spätklassizistischen Bahnhofsgebäude empfangen.

Kampehl
Archäologische Ausgrabungen bezeugen, dass Kampehl schon während der Slawenzeit besiedelt war, u.a. wird 1307 ein ,,Heinricus von Campiyl' als Eigner Erwähnt. Neben der Familie Kröcher wird 1491 auch die Familie von Kalebuz als Ortseigner und 1608 gibt es bereits drei Rittersitze im Ort. Vom Ende des 17. Jahrhunderts bis 1783, als der Letzte von Kalebuz starb, prägte diese Familie den Ort. In den folgenden Jahrhunderten wechselten die Eigentümer häufig, bis Kampehl Schließlich 1969 nach Neustadt (Dosse) eingemeindet wurde. Der berühmteste Spross der Familie Kalebuz war der am 6. März 1651 geborene Christian-Friedrich, der als 24-Jähriger gemeinsam mit dem Prinzen von Hessen- Homburg an der Schlacht bei Fehrbellin teilnahm. 1690 stand er wegen eines Mordes vor Gericht, verübt an einem Schäfer aus dem Nachbardorf. Eine Magd seines Gutes, Maria Leppin, war diesem Schäfer versprochen und Kalebuz bestand auf seinem Recht der ,,ersten Nacht' mit der Braut. Die Magd weigerte sich und Kalebuz soll den Schäfer später anlässlich einer Auseinandersetzung über Weiderechte aus Rache Erschlagen haben. Als Feudalherr konnte er sich mit einem so genannten Reinigungseid freisprechen, was er mit den Worten ,,wenn ich der Mörder dennoch Gewesen sein soll, so will ich nie verwesen!' auch tat. 1702 starb er mit 52 Jahren. Als man 1792 den Gruftanbau, in dem sich sein Sarkophag befand, wegen Renovierungsarbeiten öffnete, fand man neben zwei verwesten Leichen die mumifizierte Leiche des Ritters Kalebuz. Alle wissenschaftlichen Erklärungsversuche des Phänomens sind bis heute gescheitert. Im Gruftanbau der Wehrkirche Kampehl können Besucher die Mumie in ihrem gläsernen Sarkophag besichtigen und schaurigfachkundige Informationen erhalten.

 

Zur Stadt Neustadt (Dosse) gehören die Ortsteile:
- Plänitz-Leddin und
- Roddahn

 

Plänitz-Leddin

Plänitz

Im Jahre 1334 gehörte ,,Plönitz'' zum Lande Wusterhausen. Die seit 1445 in Plänitz ansässige märkische Familie von Rathenow lebte hier bis 1945. Die Kirche von 1709 ist ein bemerkenswerter Fachwerkbau mit polygonalem Grundriss und quadratischem Turm auf der Westseite. 1996 bis 2001 konnte der barocke Bau weitgehend Restauriert werden. Neben der Kirche befinden sich einige historische Grabsteine aus Sandstein aus den Jahren 1785, 1791 und 1805, der Friedhof wird durch eine Restaurierte Feldsteinmauer eingefasst. Einige fränkische Bauernhäuser, ein so genanntes Vorlaubenhaus mit Reetdeckung, das einst als Posthalterei diente, die Kirche, Friedhofsmauer und das Gutshaus mit dem Wirtschaftsgebäude bilden ein selten gewordenes Fachwerksensemble in der Dorfmitte. Von Bedeutung ist auch das leider baufällige Gutsensemble, das aus Fachwerk Besteht und dessen Sanierung noch aussteht.

Leddin

Das Dorf gehört zu den zahlreichen Gründungen des 14. Jahrhunderts und wird bereits 1379 als ,,to Leddin'' erwähnt. Seit Jahrhunderten finden wir die in der Prignitz und im Ruppinschen ansässige Familie von Rohr auch in Leddin. So wird 1542 ,,Claws Rhor tho Leddin'' genannt. Die im 18. Jahrhundert erbaute Fachwerkkirche wurde bereits 1872 mit neuen Umfassungsmauern aus Backstein versehen. Der Turm wurde dabei völlig entfernt. Heute erinnert nichts mehr an den ursprünglichen sakralen Bau, der völlig abgetragen wurde.

 

Seit 1964 firmieren die ehemals selbstständigen Orte Plänitz und Leddin unter gemeinsamen Namen.

2003 wurde Plänitz-Leddin nach Neustadt (Dosse) eingemeindet.

 

Roddahn
Roddahn gehört zu den Strassendörfern und wurde bereits 1240 urkundlich erwähnt. Viele Jahrhunderte lang war es im Besitz der aus Altmark Stammenden Familie von Kröcher. ,,Der Roddahn' ist ein in alten Urkunden oft genannter Wald ,,twischen der Dosse und Havelberghe'. Der Bach Roddahn, gemeint ist wohl die nahe Jäglitz, galt unter den Wenden als ein ,,munter dahinfliessendes Wasser', denn ,,rad' bedeutet froh, munter. Die Kirche des Ortes ist ein Schlichter Fachwerkbau in Saalform, vermutlich von 1798 (Jahreszahl an Empore und Glocke). Um Kosten zu sparen, wurde auf den Turm verzichtet und die kleine Glocke im Dachboden untergebracht. Nachdem die Kirche in den Jahren seit 1990 zusehends verfiel, konnte ab 2001 bis 2003 Dach, Fassade, Fenster und Türen saniert werden. Zu Roddahn gehören die Gemeindeteile Neuhof, Helenenhof, Schwarzwasser, Babe und Neuroddahn. Der Gemeindeteil Babe liegt im äußersten Süden der Ostprignitz, nördlich der Alten Jäglitz. Zuerst war es ein so genanntes ,,Vorwerk' (für Meierei und Milchwirtschaft) zu Lohm, nach dem 30-Jährigen Krieg wurde es ein Rittergut. Der Name rührt von ,,Baba' her und soll ursprünglich ,,Weib' bedeutet haben, wurde aber als Spottname ,,Memme' (Feigling) gebraucht. Der Gemeindeteil Schwarzwasser war bis 1953 das kleinste Dorf Deutschlands mit eigenem Gemeindeparlament und Bürgermeister. 2003 wurde Roddahn mit seinen Gemeindeteilen nach Neustadt (Dosse) eingemeindet.